Mittwoch, 1.6.2022

Angst und Aggression sind Geschwister, das eine kann unmittelbar in das andere umschlagen. Beide setzen weitgehend die gleichen neurobiologischen Systeme in Gang. Niemand würde von einem „Angsttrieb“ sprechen. Menschen, die chronisch Angst haben oder ständig Aggressionen emittieren, leiden an einer psychischen Störung … was keineswegs im Umkehrschluss bedeutet, dass Menschen mit psychischen Störungen grundsätzlich gewalttätiger sind.
Joachim Bauer: Das empathische Gen, Seite 54

Sie kennen die Geschichte von Kain, der seinen Bruder Abel erschlägt. Er hat Angst, dass Gott ihn weniger liebt. Solche Beispiele durchziehen die gesamte Menschheitsgeschichte bis zum heutigen Tag. Egal, ob im Einzelfall psychische Störungen die Ursache sind oder ob bei gesunden Menschen Angst zu aggressivem Verhalten führt, sollte ein Ziel jeglicher pastoraler Arbeit sein, dass Menschen von Ängsten befreit werden oder zumindest mit Ängsten gewaltfrei und konstruktiv umgehen können.
Dazu gehören auch politische und systemische Rahmenbedingungen, die Vertrauen und Verbundenheit fördern – gerade auch zwischen Menschen und Gruppen mit großen kulturellen Unterschieden.

Text und Foto: Georg Plank
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